Kosten · 10 Min. Lesezeit
Inkassokosten prüfen: So rechnest du Gebühren richtig nach
Auf vielen Inkassoschreiben summieren sich Mahn-, Inkasso- und „Bearbeitungs“-Kosten. Nicht alles ist zulässig. Diese kurze Anleitung zeigt die Prüflogik — und führt dich zum Inkassokosten-Rechner. Ausführliche Tabellen und Beispiele stehen im Pillar Inkassokosten 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Zuerst: Rechner öffnen
Wenn du nur die Höchstgebühr für deine Hauptforderung wissen willst, reicht der Rechner. Gib den Betrag ein — Ergebnis nach RVG / KostBRÄG 2025 (Faktor, Auslagen, optional USt-Hinweis).
Schritt 1: Schuldest du überhaupt Inkassokosten?
Inkassokosten sind Verzugsschaden (§§ 280, 286 BGB). Du schuldest sie nur, wenn die Hauptforderung berechtigt ist und du dich tatsächlich im Zahlungsverzug befindest. Verzug tritt in der Regel nach Mahnung ein — oder 30 Tage nach Zugang einer Rechnung (bei Verbrauchern nur mit entsprechendem Hinweis).
War die Forderung von Anfang an unberechtigt oder warst du noch nicht in Verzug, entfallen in der Regel auch die Inkassokosten — unabhängig von der Gebührentabelle.
Schritt 2: Welcher Gebührensatz gilt?
Seit der Inkassoreform 2021 (§ 13e RDG) ist der Regelfall für Inkassodienstleister die Schwellengebühr 0,9 der Nr. 2300 VV RVG — nicht der Anwalts-Mittelwert 1,3. Nur bei nachweislich besonderem Umfang oder besonderer Schwierigkeit kommt bis 1,3 in Betracht. Bei unbestrittener Forderung und Zahlung binnen zwei Wochen nach der ersten Aufforderung oft nur 0,5.
- •0,5 — einfacher Fall / Sofortzahlung (unbestritten, binnen 2 Wochen)
- •0,9 — Regelfall unbestrittene Inkassoforderung
- •bis 1,3 — Ausnahme, muss nachvollziehbar begründet sein
- •Auslagenpauschale Nr. 7002: 20 % der Gebühr, max. 20 €
- •Zusätzliche „Bearbeitungs-“ / „Kontoführungsgebühren“ neben der Geschäftsgebühr: in der Regel nicht erstattungsfähig
- •40-€-Mahnpauschale (§ 288 Abs. 5 BGB): nur B2B, nicht gegenüber Verbrauchern
Schritt 3: Mit dem Rechner oder der Tabelle abgleichen
Nimm die Hauptforderung (ohne Zinsen und ohne Inkassokosten) und vergleiche mit dem Rechner. Kurzüberblick Regelfall 0,9 netto (KostBRÄG 2025): bis 500 € → 46,35 € + 9,27 € Auslagen = 55,62 €; bis 1.000 € → 100,44 € gesamt; Kleinforderung 29,90 € → max. ca. 34,02 €. Vollständige Tabelle und längere Beispiele: Ratgeber Inkassokosten 2026.
Schritt 4: Doppelkosten und Anwalt getrennt denken
Für dieselbe außergerichtliche Tätigkeit dürfen Inkasso und Anwalt dich nicht doppelt belasten (§ 13f RDG). Wird das Inkasso außergerichtlich und der Anwalt später gerichtlich tätig, können beide Stufen erstattungsfähig sein (vgl. BGH VIII ZR 81/21) — mit Anrechnung der Geschäftsgebühr auf die Verfahrensgebühr (Vorb. 3 Abs. 4 VV RVG). Details im Pillar-Artikel.
Schritt 5: Was tun bei überhöhten Posten?
- •Hauptforderung, Inkassokosten und Zinsen getrennt betrachten
- •Überhöhte Kosten schriftlich dem Grunde/der Höhe nach bestreiten
- •Optional nur die (nach deiner Prüfung) berechtigte Hauptforderung zahlen — mit klarer schriftlicher Bestreitung der Kosten
- •Bei Unsicherheit anwaltlichen Rat oder Verbraucherzentrale einholen
Ob Teilzahlung sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab (Verzug, Verjährung, Abtretung). Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Muss ich Inkassokosten immer zahlen?
Nein. Inkassokosten schuldest du nur als Verzugsschaden, also wenn die Forderung berechtigt ist und du dich tatsächlich in Verzug befindest. War die Forderung unberechtigt, entfallen auch die Inkassokosten.
Wie hoch dürfen Inkassokosten höchstens sein?
Regelfall für Inkassodienstleister: Schwellengebühr 0,9 nach § 13e RDG i.V.m. Nr. 2300 VV RVG, plus Auslagenpauschale (20 %, max. 20 €). Basis seit 1.6.2025: Anlage 2 RVG (KostBRÄG 2025). Am schnellsten prüfst du das mit dem Inkassokosten-Rechner.
Sind extra Bearbeitungs- oder Kontogebühren erlaubt?
Pauschale Zusatzgebühren neben der eigentlichen Geschäftsgebühr sind in der Regel nicht erstattungsfähig. Solche Posten solltest du kritisch prüfen.
Was ist der Unterschied zwischen Inkassogebühr und Mahnpauschale?
Die Inkassogebühr ist die Vergütung des Inkassounternehmens nach RVG-Faktor. Die 40-€-Mahnpauschale (§ 288 Abs. 5 BGB) gilt nur im B2B-Bereich, nicht gegenüber Verbrauchern.
Wo finde ich die vollständige Tabelle?
Im Ratgeber Inkassokosten 2026 und als crawlbare Tabelle auf der Seite des Inkassokosten-Rechners. Beide nutzen dieselbe KostBRÄG-2025-Basis wie der Rechner selbst.
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Zum Inkassokosten-RechnerZuletzt aktualisiert: 01. August 2026